Wolfgang Feik

Ernst Grube porträtiert von Wolfgang Feik

 

Ernst Grube (*1932)

2025 | Fotografie 118,9 x 84,1 cm

„Meine Mutter war Jüdin, mein Vater nicht jüdisch, beide links eingestellt, der Vater Kommunist. Nach dem Abriss der Münchner Synagoge 1938 wurde meine Familie aus dem angrenzenden Wohnhaus der israelischen Kultusgemeinde vertrieben. Die Eltern brachten uns drei Kinder in ihrer Not ins Jüdische Kinderheim in Schwabing, dann raubten die Nazis auch dieses Haus. Wir Kinder mussten ins Sammel- und Deportationslager Milbertshofen und Berg am Laim in München. Schließ- lich wurden wir Geschwister und unsere Mutter ins Ghetto Theresienstadt deportiert. Am 8. Mai befreiten uns dort Soldaten der Roten Armee. Ich lernte Maler, holte das Abitur nach, wurde Berufs- schullehrer, war in der Friedensbewegung aktiv und gegen die Besetzung wichtiger Positionen mit ehemaligen Nationalsozialisten. Wegen Mitgliedschaft in der KPD wurde ich mehrfach verhaftet, saß zeitweise in Einzelhaft. Aus Überzeugung bin ich schon sehr lange und mit großem Engagement in der Vereinigung der Verfolgten des Naziregimes / Bund der Antifaschist:innen und in der Gewerk- schaft aktiv. Zurzeit bin ich Präsident der Lagergemeinschaft Dachau e.V. und Vorsitzender des Kuratoriums der Stiftung Bayerische Gedenkstätten. Dass mich der Verfassungsschutz beobachtet hat ist skandalös wie amüsant. Man traute mir offenbar nicht über den Weg, aber doch eine Menge zu. Mittlerweile bin ich Ehrenbürger der Landeshauptstadt München und habe das Bundesverdienst-

 

Hannah Spechtporträtiert von Wolfgang Feik

Hannah Specht

2025 | Fotografie 118,9 x 84,1 cm

„Ich bin Hannah, 19 Jahre alt und hatte vor meiner Geburt eine Hirnblutung. Meine Muskeln kann ich deshalb nicht gezielt ansteuern. Ich verstehe jedes Wort und antworte mit meiner Mimik, bin aber permanent auf Hilfe angewiesen. Trotzdem genieße ich das Leben! Am liebsten bin ich mit- tendrin, unterwegs und entdecke Neues. Du triffst mich im Café, bei Konzerten, beim Radlfahren, Schwimmen oder auf Ausstellungen. Dass Du ein bisschen Scheu hast, im Umgang mit mir, ist ver- ständlich – wir kennen uns ja noch nicht. Es wäre toll, wenn Du trotzdem auf mich zugehst! Dann wirst Du merken, dass mich nicht nur meine Behinderung einzigartig macht, sondern vor allem meine Fähigkeit, andere mit meiner Fröhlichkeit anzustecken. Und mit Deiner Unterstützung wäre es für mich und andere Menschen mit Behinderung einfacher, die Hürden des Alltags zu meistern! Lass uns gemeinsam die Welt ein bisschen inklusiver machen!“ Hannah zeigt, dass das Leben – auch mit Einschränkungen – ein Genuss ist. Wer das mal vergessen sollte, dem sei geraten nach ihr Ausschau zu halten. Womöglich ist Hannah ganz in der Nähe.

 

Monir Yalani porträtiert von Wolfgang Feik

Monir Yalani

2025 | Fotografie 118,9 x 84,1 cm

„Mein Name ist Monir. 2014 musste ich Afghanistan im Alter von 17 Jahren verlassen. Nach zwei Jahren Flucht kam ich in Bayern an. Als Erstes lernte ich die bürokratischen Hürden in Deutschland kennen. Ich habe acht Monate auf eine Arbeitsgenehmigung gewartet und ganze drei Jahre darauf, eine Wohnung suchen zu dürfen. Inzwischen habe ich die Ausbildung zum Metallbauer abgeschlossen, einige Jahre Berufserfahrung gesammelt, habe den Führerschein und meine eigene Wohnung. Voraussetzung für weitere berufliche Qualifizierung ist die permanente Aufenthalts- genehmigung in Deutschland. Meine Anträge wurden bisher ohne Angabe von Gründen abgelehnt. Also droht mir nach Ablauf der befristeten Duldung die Abschiebung. Dabei möchte ich so gerne die Meisterschule besuchen und anschließend studieren. Ich bin davon überzeugt, dass Träume wahr werden können. Warum also nicht dieser!“ Monir ist in der Boxschule Dachau aktiv. Auf Grund seiner Wettkampferfolge ist er dort vielen Kindern ein Vorbild. Er nimmt sich immer Zeit für sie, teilt gerne sein Wissen und seine Erfahrung mit ihnen und wird so zum Vorbild weit über den Sport hinaus. Aber das sei, wie er meint, eigentlich nicht wichtig. So habe ich Monir kennengelernt.