Johannes Karl
Elisabeth Hänel
2025 | C-Print, 80,0 x 60,0 cm
Als ich ein kleines Kind war, war Elli meine Nachbarin und hat ab und an auf mich aufgepasst. Heute, nachdem ich ein paar Jahre an verschieden anderen Orten wohnte, sind wir wieder Nach- barn, nur nimmt Elli nun meinen Sohn mit in die Eisdiele, und ihren Mann Arnold. Eigentlich kommt Elli aus Osterhofen in Niederbayern, kam aber in jungen Jahren in den Landkreis und ist 1974 mit Ihrem Mann nach Dachau in ihre heutige Wohnung gezogen. Beide waren lange Zeit aktiv in der Tanzgruppe der Ampertaler. Heute nicht mehr. Elli hat ihre Tracht weiterverkauft und freut sich, dass nun eine andere mit dem wertvollen Gewand auftreten kann. Ich habe entschieden Elli zur por- trätieren, weil sie für mich für die Art von guten Nachbarn steht, welche das Leben leichter machen. Sie helfen oder unterstützen, wenn es Probleme gibt – einfach so. Ich denke, auch das macht eine Stadt aus – die vielen Nachbarschaften – das direkte „im Gespräch sein“. Deshalb an dieser Stelle: Vielen Dank für die gute Nachbarschaft über so viele Jahre und ab und an ein Stück Weltklasse Käsesahne!

Roland Karl
2025 | C-Print, 80,0 x 60,0 cm
Es wäre ja wohl unweigerlich passiert – mit dem 25.000 Einwohner wurde Dachau zur großen Kreisstadt. Genau diese Schwelle überschritt die Stadt mit der Geburt von Roland Karl. Eine große Kreisstadt erhält mehr Rechte, sich selbst zu verwalten, die sonst beim Landkreis liegen. Ein Schritt also, der die Struktur von Stadt und Landkreis nachhaltig verändert hat. So schrieb der Münchner Merkur 1954 über einen großen Artikel die Überschrift: „Der kleine Roland schreibt Stadtgeschichte“. Heute ist Roland Karl 71 Jahre und die Stadt Dachau hat gut doppelt so viele Einwohner wie bei seiner Geburt. Viel hat sich verändert. Roland Karl auch. Er war Grundschullehrer und später Direktor der Grundschule Karlsfeld und ist nun in Pension. Er liebte und liebt die Bewegung und den Sport – mit dem Radl durch den Landkreis oder auf Kufen im Eisstadion. Er lebt auch heute noch mit seiner Frau Stephanie in Dachau und beobachtet interessiert und kritisch, wie sich die Stadt, seine Heimat, weiterentwickelt.
Stefan Wasinger
2025 | C-Print, 80,0 x 60,0 cm
„Ich habe auch meine Probleme, aber ich muss sie nicht jedem ständig erzählen“, sagt Stefan und lacht. Er ist einer, der in der Regel gut gelaunt ist und Probleme lieber schnell und direkt löst, als ewig drum herumzureden. Wenn man sich erst mit ihm unterhält, erfährt man aber, dass es gerade für ihn nicht immer leicht war auf seinem Weg in den Landkreis Dachau. Geboren ist Stefan als Sergej in Sibirien als „Russlanddeutscher“ mit russischer Mutter und deutschem Vater. 1997 kam er mit 13 Jahren mit seiner Familie nach Deutschland. Es war nicht leicht, sich zu behaupten als ein- ziger nicht deutscher Jugendlicher in einer Schulklasse in Bautzen. Mit 18 zog es ihn, wenig später auch seine Frau Swetlana, dann weiter in den Süden. Er begann eine Lehre in Karlsfeld. Noch immer lebt ein Teil seiner Familie in Sibirien. Die Familienbande bestehen natürlich weiter – auch wenn das aufgrund der politischen Lage heute kompliziert geworden ist. Ich habe Stefan als Betreuer und Jugendleiter beim Eishockeyverein kennengelernt, bei dem er sich unter anderem darum kümmert, dass alle neuen Kids mit Leihausrüstung ausgestattet werden. Er sorgt auch hier dafür, dass sich Probleme unkompliziert lösen, und das stets mit einem verschmitzten Lächeln auf dem Gesicht.





